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ADHS

ADHS-Anzeichen bei Erwachsenen: häufige Symptome und wann ein Test sinnvoll ist

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2,6 % bis 6,8 %der Erwachsenen haben ADHS

Irgendwo zwischen 2,6 % und 6,8 % der Erwachsenen weltweit haben ADHS. Viele wurden als Kind nie diagnostiziert.

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  1. Irgendwo zwischen 2,6 % und 6,8 % der Erwachsenen weltweit haben ADHS. Viele wurden als Kind nie diagnostiziert.
  2. Bei ADHS fehlt die Aufmerksamkeit nicht. Sie ist schwer zu steuern: Langweilige Aufgaben entgleiten, interessante können Stunden verschlingen.
  3. Auch die Zeit entgleitet leicht. Aus „noch fünf Minuten“ werden zwei Stunden, und Pläne beginnen spät oder gar nicht.
  4. Bei Erwachsenen verlagert sich die Hyperaktivität oft nach innen: ein Kopf, der nicht zur Ruhe kommt, Zappeln und Mühe, lange Besprechungen durchzusitzen.
  5. Starke, schnell wechselnde Gefühle sind bei Erwachsenen mit ADHS häufig, gehören aber nicht zu den offiziellen Diagnosekriterien.
  6. Angst, gedrückte Stimmung und schlechter Schlaf können wie ADHS wirken und kommen oft noch dazu: 47 % der Erwachsenen mit ADHS haben auch eine Angststörung.
  7. Ein Screening ist ein erster Schritt, keine Diagnose. Wenn die Anzeichen passen, kann eine Fachperson das ganze Bild zusammensetzen.

Viele Erwachsene verlegen ihre Schlüssel, schieben langweiligen Papierkram vor sich her oder schweifen in langen Besprechungen ab. Das allein ist noch kein ADHS. Wenn dir das aber schon passiert, solange du denken kannst, und es dich immer wieder etwas kostet, im Job, zu Hause oder in deinen Beziehungen, dann ist die Frage berechtigt.

Hier erfährst du, wie ADHS bei Erwachsenen im Alltag oft aussieht, warum es so häufig erst im Erwachsenenalter auffällt und wie du herausfindest, ob es erklärt, womit du zu kämpfen hast.

Was ist ADHS, und wie wird es diagnostiziert?

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neuronale Entwicklungsstörung. Fachleute diagnostizieren sie anhand der DSM-5-Kriterien, die von der American Psychiatric Association herausgegeben werden. Es gibt zwei Symptomgruppen: Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität und Impulsivität.[1]

Bei Menschen ab 17 Jahren müssen für eine Diagnose alle folgenden Punkte erfüllt sein:[1]

  • Mindestens fünf Symptome aus einer oder beiden Gruppen (bei Kindern sechs).
  • Die Symptome bestehen seit mindestens sechs Monaten.
  • Mehrere Symptome waren schon vor dem Alter von 12 Jahren vorhanden.
  • Schwierigkeiten in mehr als einem Lebensbereich, etwa bei der Arbeit und zu Hause.

Je nachdem, welche Symptome überwiegen, wird die Diagnose als eines von drei Erscheinungsbildern festgehalten: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv oder gemischt.[1]

Ein Punkt, der oft untergeht: ADHS kann nur eine zugelassene Fachperson diagnostizieren, die dich ausführlich befragt. Die Konsenserklärung der World Federation of ADHD sagt das ganz deutlich. Bewertungsskalen, Computertests und Hirnscans können die Diagnose nicht allein stellen.[5]

Wie häufig ist ADHS bei Erwachsenen?

Die Antwort hängt davon ab, wie man zählt. Studien, die verlangen, dass die Symptome in der Kindheit begonnen haben, kommen auf niedrigere Zahlen als Studien, die alle mit aktuellen Symptomen mitzählen. Umfragen dazu, wer eine Diagnose hat, liefern eine dritte Zahl.

Schätzungen zu ADHS bei Erwachsenen nach Messmethode

Weltweit, seit Kindheit2,6 %USA, klinische Interviews4,4 %USA, aktuelle Diagnose6,0 %Weltweit, aktuelle Symptome6,8 %
Weltweite Zahlen: Song et al. (2021), eine Metaanalyse, angepasst an die Weltbevölkerung von 2020.[3] Klinische Interviews in den USA: Kessler et al. (2006), Erwachsene von 18 bis 44 Jahren.[4] Aktuelle Diagnose in den USA: CDC-Umfrage unter Erwachsenen, 2023.[2]

Diese CDC-Umfrage, veröffentlicht 2024, schätzte, dass etwa 15,5 Millionen Erwachsene in den USA eine aktuelle ADHS-Diagnose hatten. Von ihnen wurden 55,9 % mit 18 Jahren oder später diagnostiziert.[2] Eine Diagnose im Erwachsenenalter ist heute also häufig.

ADHS-Symptome werden mit dem Alter tatsächlich oft schwächer. Eine Metaanalyse, die in der Erklärung der World Federation of ADHD zusammengefasst ist, ergab, dass nur etwa jeder sechste junge Mensch mit ADHS mit 25 Jahren noch alle Kriterien erfüllte, während etwa die Hälfte noch einige beeinträchtigende Symptome hatte.[5]

Welche Anzeichen von ADHS gibt es bei Erwachsenen?

Das DSM-5 nennt neun Symptome der Unaufmerksamkeit und neun der Hyperaktivität und Impulsivität. Hier sind sie in Alltagssprache, nach der Zusammenfassung der American Psychiatric Association:[1]

Unaufmerksamkeit

  • Details übersehen oder Flüchtigkeitsfehler machen
  • Schwierigkeiten, bei Aufgaben, beim Lesen oder in Gesprächen konzentriert zu bleiben
  • Scheinbar nicht zuhören, wenn man direkt angesprochen wird
  • Anweisungen nicht bis zum Ende umsetzen oder Aufgaben unerledigt lassen
  • Probleme mit Organisation und Zeitmanagement
  • Aufgaben meiden, die längere geistige Anstrengung erfordern
  • Häufig Dinge verlieren, die man braucht
  • Leicht ablenkbar sein
  • Alltägliche Aufgaben, Termine oder Rechnungen vergessen

Hyperaktivität und Impulsivität

  • Zappeln oder auf dem Stuhl herumrutschen
  • Aufstehen, wenn Sitzenbleiben erwartet wird
  • Sich unruhig fühlen (bei Kindern: herumrennen oder klettern)
  • Mühe, sich ruhig zu beschäftigen
  • Sich ständig „auf dem Sprung“ fühlen
  • Viel reden
  • Mit Antworten herausplatzen
  • Schwer abwarten können, bis man an der Reihe ist
  • Andere unterbrechen oder stören

Bei Erwachsenen lässt die Hyperaktivität oft nach oder verlagert sich nach innen. Die APA weist darauf hin, dass sie sich als extreme Unruhe zeigen kann, während die Unaufmerksamkeit eher bestehen bleibt.[1] Wer als Erwachsener ADHS hat, sitzt also vielleicht reglos eine ganze Besprechung durch und hält es innerlich trotzdem kaum aus.

Diese Verschiebung ist ein Grund, warum sich Erwachsene manchmal nicht in Beschreibungen von ADHS wiedererkennen, die mit Blick auf Kinder geschrieben wurden. Die Kriterien sind in jedem Alter dieselben, aber wie sie sich zeigen, verändert sich:

Dasselbe Symptom in Kindheit und Erwachsenenalter (Beispiele)
SymptomSo kann es bei einem Kind aussehenSo kann es bei Erwachsenen aussehen
UnruheHerumrennen oder Klettern, wenn es nicht passtInnere Unruhe; Zappeln; Jobs mit viel Bewegung wählen
Mühe, sitzen zu bleibenIm Unterricht den Platz verlassenIn Besprechungen oder langen Telefonaten oft aufstehen
Mangelnde OrganisationChaotischer Schreibtisch und Schulranzen; verlorene HausaufgabenVerpasste Fristen, zu spät bezahlte Rechnungen, volles Postfach
VergesslichkeitAufgaben im Haushalt oder Sportsachen vergessenTermine, Rückmeldungen und Erledigungen vergessen
UnterbrechenIm Unterricht dazwischenrufenAnderen im Gespräch die Sätze beenden
Auf Grundlage der DSM-5-Symptomliste in der Zusammenfassung der American Psychiatric Association. Die Beispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Kriterien.

Die folgende Tabelle zeigt Beispiele dafür, wie sich dieselben Anzeichen in verschiedenen Lebensbereichen auswirken können.

Wie sich ADHS-Anzeichen im Erwachsenenleben zeigen können (Beispiele)
AnzeichenBei der ArbeitZu HauseIn Beziehungen
Schwierigkeiten, aufmerksam zu bleibenDieselbe E-Mail mehrmals lesen; in Besprechungen abschaltenMehrere Aufgaben im Haushalt anfangen und keine beendenDen Faden verlieren, wenn die Partnerin oder der Partner erzählt
Organisation und ZeitVerpasste Fristen; unterschätzen, wie lange Aufgaben dauernStapel ungeöffneter Post; zu spät bezahlte RechnungenOft zu spät zu Verabredungen kommen
VergesslichkeitRückmeldungen oder Besprechungen vergessenSchlüssel, Handy oder Geldbörse verlegtVergessene Geburtstage oder Versprechen
UnruheBewegungsdrang; lange Besprechungen sind kaum auszuhaltenSchwer, einen ganzen Film durchzusitzenSchwer, an einem ruhigen Abend abzuschalten
ImpulsivitätUnterbrechen; zu vielem Ja sagenImpulskäufeDinge sagen, bevor man sie zu Ende gedacht hat
Diese Beispiele veranschaulichen die DSM-5-Symptomliste und sind keine zusätzlichen Kriterien. Jeder Mensch tut manches davon ab und zu. Bei ADHS geht es darum, wie oft, wie lange und wie sehr es dir im Weg steht.

Emotionale Höhen und Tiefen

Viele Erwachsene mit ADHS berichten außerdem von schneller Frustration, Reizbarkeit oder Gefühlen, die heftig kommen und schnell wieder gehen. Das nennt man meist emotionale Dysregulation. Sie gehört nicht zu den DSM-5-Kriterien und zählt daher nicht für eine Diagnose. Trotzdem ergab eine Übersichtsarbeit im American Journal of Psychiatry, dass Studien aus Kliniken bei 34 % bis 70 % der Erwachsenen mit ADHS eine beeinträchtigende emotionale Dysregulation feststellen.[6] Wenn dir das bekannt vorkommt, sprich es bei einer Abklärung an.

Warum wird ADHS bei Frauen oft übersehen?

ADHS wird beim männlichen Geschlecht häufiger diagnostiziert, bei jungen Menschen etwa im Verhältnis zwei zu eins.[5] Ein Teil dieses Unterschieds scheint daher zu kommen, dass Mädchen und Frauen übersehen werden. Eine Konsenserklärung von Fachleuten der UK ADHD Partnership aus dem Jahr 2020 nennt mehrere Gründe:[7]

  • Unaufmerksame Symptome, etwa leicht ablenkbar, unorganisiert oder überfordert zu sein, führen seltener zu einer Überweisung als störendes Verhalten. Unaufmerksame Mädchen werden häufiger übersehen.
  • Die Vorstellungen von Lehrkräften und Eltern darüber, wie ADHS aussieht, beeinflussen, wer überwiesen wird.
  • Bewältigungsstrategien wie übermäßige Vorbereitung oder viel längere Arbeitszeiten können die eigentliche Schwierigkeit verdecken. Das wird oft Masking genannt.
  • Begleiterkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Essstörungen können ADHS in den Hintergrund drängen.

Dieselbe Erklärung hält fest, dass Symptome in Übergangsphasen deutlicher werden können, etwa zu Beginn des Studiums oder in einem neuen Job, und sich mit hormonellen Veränderungen im Menstruationszyklus, in der Schwangerschaft und in den Wechseljahren verstärken können.[7] Viele Frauen fragen sich erst als Erwachsene, ob sie ADHS haben, wenn die Anforderungen über die Bewältigungsstrategien hinauswachsen, die früher funktioniert haben.

Kann man ADHS haben, wenn man in der Schule gut war?

Ja. Gute Noten schließen ADHS nicht aus. Die britische Konsenserklärung beschreibt, wie ausgleichende Strategien zu Hause oder in der Schule Symptome verdecken können, und rät Fachleuten, bei der Abklärung darauf zu achten, welche Unterstützung oder Struktur es gab.[7] Vielleicht hat ein Elternteil deinen Terminkalender für dich geführt, oder du bist mit Kraftakten in letzter Minute durchgekommen. Dann wird die Schwierigkeit womöglich erst sichtbar, wenn diese Unterstützung wegfällt oder die Arbeitslast wächst.

Was kann noch wie ADHS aussehen?

Es gibt keinen einzelnen Test für ADHS, und die CDC nennt Schlafstörungen, Angst, Depression und manche Lernstörungen als Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen können.[11] Eine gute Abklärung prüft diese Möglichkeiten. Die Tabelle zeigt einige typische Unterschiede. Im echten Leben ist es allerdings unübersichtlicher, und man kann auch mehrere davon gleichzeitig haben.

ADHS und häufige Verwechslungsmöglichkeiten
ErkrankungWas sich mit ADHS überschneidetWas sich meist unterscheidet
AngstKonzentrationsprobleme, Unruhe, SchlafproblemeDie Konzentrationsprobleme folgen auf Sorgen und lassen nach, wenn die Sorgen nachlassen. ADHS-Anzeichen reichen bis in die Kindheit zurück und zeigen sich auch, wenn du ruhig bist.
DepressionWenig Antrieb, Konzentrationsprobleme, VergesslichkeitGeht mit gedrückter Stimmung oder Interessenverlust einher, oft in Episoden. ADHS ist ein lang bestehendes Muster und keine Veränderung gegenüber dem, wie du sonst bist.
SchlafproblemeUnaufmerksamkeit, Reizbarkeit, geistige BenommenheitDie Symptome bessern sich, wenn sich der Schlaf bessert. Eine Schlafstörung kann auch neben ADHS bestehen, deshalb lohnt sich die Abklärung so oder so.
LernstörungenSchwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder mit PapierkramDie Probleme betreffen bestimmte Fähigkeiten (etwa das Lesen) und nicht die Aufmerksamkeit bei vielen verschiedenen Aufgaben.
Die Regel, dass die Symptome in der Kindheit beginnen müssen, gehört zu den DSM-5-Kriterien. Die anderen Unterschiede sind allgemeine Muster, keine diagnostischen Regeln.

Wenn Angst oder gedrückte Stimmung eher zu dem passen, was du erlebst: Unser Angsttest (GAD-7) und unser Depressionstest (PHQ-8) nutzen dieselben kurzen Fragebögen, die viele Ärztinnen und Ärzte verwenden. ADHS und Autismus haben ebenfalls gemeinsame Merkmale. Mehr dazu findest du in ADHS vs. Autismus bei Erwachsenen.

Welche Begleiterkrankungen sind bei ADHS im Erwachsenenalter häufig?

ADHS kommt selten allein. In der US-amerikanischen National Comorbidity Survey Replication hatten Erwachsene mit ADHS oft mindestens eine weitere Erkrankung, am häufigsten eine Angststörung oder eine affektive Störung.[4]

Weitere Erkrankungen bei Erwachsenen mit ADHS (US-Erhebung)

Angststörung47,1 %Affektive Störung38,3 %Intermitt. explosible Störung19,6 %Substanzkonsumstörung15,2 %
Anteil der Erwachsenen mit ADHS, die in der National Comorbidity Survey Replication (Kessler et al., 2006) die Kriterien für die jeweilige Erkrankung erfüllten. Bei Angst-, affektiven und Substanzkonsumstörungen zählt jede Störung der Gruppe. Die intermittierende explosible Störung war die einzige erfasste Impulskontrollstörung.[4]

Diese Erhebung ergab außerdem, dass nur 10,9 % der Erwachsenen mit ADHS im Vorjahr eine Behandlung wegen ADHS erhalten hatten, obwohl viele wegen anderer Erkrankungen behandelt worden waren.[4] Die Studie ist inzwischen 20 Jahre alt, und Diagnosen sind seitdem häufiger geworden. Trotzdem hatten in der CDC-Umfrage von 2023 36,5 % der Erwachsenen mit aktueller ADHS-Diagnose im vergangenen Jahr keine ADHS-Behandlung erhalten.[2]

Was kann dir ein ADHS-Test im Internet sagen?

Viele ADHS-Tests im Internet, auch unserer, folgen dem Format der WHO Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS), die die Weltgesundheitsorganisation gemeinsam mit Forschenden der Harvard Medical School entwickelt hat. Sie fragt, wie oft du jedes Symptom in den letzten sechs Monaten hattest. Die Forschungslage dazu ist gemischt:

  • In der ursprünglichen Studie von 2005 erkannte das ASRS-Screening mit sechs Fragen 68,7 % der Menschen mit ADHS richtig (Sensitivität) und stufte 99,5 % der Menschen ohne ADHS richtig als unauffällig ein (Spezifität).[8]
  • Eine 2017 an das DSM-5 angepasste Version schnitt besser ab, mit 91,4 % Sensitivität und 96,0 % Spezifität in Stichproben aus der Allgemeinbevölkerung.[9]
  • Als Forschende die ASRS v1.1 jedoch Stichproben aus der Allgemeinbevölkerung in Großbritannien und den USA vorlegten, stufte sie 26,0 % bzw. 17,3 % der Personen als wahrscheinliche ADHS-Fälle ein, bei einer erwarteten Rate von etwa 2,5 %. Die Forschenden schätzten, dass sich nur etwa 11,5 % der positiven Screenings als ADHS herausstellen würden.[10]

Von der ASRS v1.1 als auffällig eingestuft vs. erwartete ADHS-Rate

Auffällig, Stichprobe UK26,0 %Auffällig, Stichprobe USA17,3 %Erwartete Rate, Erwachsene2,5 %
Chamberlain, Cortese und Grant (2021), zwei Bevölkerungsstichproben (UK n=642, USA n=579).[10]

Einfach gesagt: Ein hoher Wert bedeutet, dass es sich lohnt, mit einer Fachperson zu sprechen. Er bedeutet nicht, dass du ADHS hast, denn Stress, Angst, gedrückte Stimmung, schlechter Schlaf und andere impulsbezogene Probleme können die Werte alle nach oben treiben. Ein niedriger Wert macht ADHS unwahrscheinlicher. Wenn deine Schwierigkeiten aber echt sind und schon lange bestehen, sollte dich ein niedriger Wert nicht davon abhalten, dir Hilfe zu holen.

In unserem ADHS-Test bringt jede der 18 Antworten 0 (nie) bis 4 (sehr oft) Punkte, insgesamt also höchstens 72. Werte von 29 bis 44 deuten auf einige ADHS-Merkmale hin, Werte ab 45 auf viele. Außerdem siehst du getrennte Werte für Unaufmerksamkeit und für Hyperaktivität und Impulsivität. Daran kann eine Fachperson erkennen, wo sich deine Schwierigkeiten bündeln. Sieh diese Zahlen als Ausgangspunkt für ein Gespräch.

Screening und klinische Abklärung im Vergleich
Online-ScreeningKlinische Abklärung
Wer es machtDu selbst, alleinEine zugelassene Fachperson
Wie langeEtwa 5 MinutenOft ein oder mehrere lange Termine
Was betrachtet wirdWie oft du jetzt Symptome bemerkstAktuelle Symptome, Kindheit, Auswirkungen, andere Erklärungen
Was du bekommstEinen Wert und was er nahelegtEine Diagnose oder keine, und einen Behandlungsplan
Kann es ADHS diagnostizieren?NeinJa

Wie läuft eine ADHS-Abklärung bei Erwachsenen ab?

Die Einzelheiten hängen vom Land und vom Gesundheitssystem ab, aber die meisten Abklärungen bei Erwachsenen folgen einem ähnlichen Weg. Die DSM-5-Kriterien bestimmen, wonach die Fachperson fragt.[1][5]

Was zu einer ADHS-Abklärung bei Erwachsenen meist dazugehört

  1. Das Muster erkennen

    Schreib konkrete Beispiele aus Arbeit, Zuhause und Beziehungen auf. Ein Screening kann dir helfen, es in Worte zu fassen.

  2. Mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen

    Deine Hausärztin oder dein Hausarzt kann körperliche Ursachen prüfen und dich an jemanden überweisen, der ADHS bei Erwachsenen abklärt. Wo es erlaubt ist, kannst du dich auch direkt an eine Fachpraxis wenden.

  3. Klinisches Interview

    Eine Fachperson geht jedes Symptom mit dir durch: wie lange du es schon hast und ob mehrere davon schon vor dem Alter von 12 Jahren da waren.

  4. Andere Perspektiven

    Vielleicht bittet man dich um Einschätzungen von Partnerin oder Partner, einem Elternteil oder um alte Schulzeugnisse, weil man sich an Symptome aus der Kindheit nur schwer erinnert.

  5. Ähnliche Erkrankungen prüfen

    Die Fachperson prüft, ob Angst, Depression, Schlafprobleme oder andere Erkrankungen die Symptome erklären oder verstärken könnten.

  6. Diagnose und Plan

    Wenn du die Kriterien erfüllst, besprecht ihr die Behandlungsmöglichkeiten. Wenn nicht, solltest du trotzdem mit einer Erklärung für das gehen, was du erlebst.

Wie wird ADHS bei Erwachsenen behandelt?

Die Behandlung besteht meist aus Medikamenten, Therapie und praktischer Unterstützung, einzeln oder kombiniert. In einer großen Netzwerk-Metaanalyse, die die World Federation of ADHD zusammenfasst, verringerten Stimulanzien (Amphetamine und Methylphenidat) die Symptome bei Erwachsenen im Vergleich zu Placebo, und Atomoxetin, ein Nicht-Stimulans, zeigte einen moderaten Nutzen. Bei den psychologischen Behandlungen ergab eine Metaanalyse zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Erwachsenen moderate Verbesserungen der selbst berichteten Symptome, in den methodisch strengsten Studien waren die Effekte allerdings klein.[5] Das NIMH nennt Medikamente und psychosoziale Behandlungen wie die kognitive Verhaltenstherapie als Standardoptionen.[12] In den USA haben Erwachsene, deren Symptome sich auf die Arbeit auswirken, unter Umständen auch Anspruch auf Anpassungen am Arbeitsplatz.[1] Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von deiner Gesundheit, deinen anderen Erkrankungen und deinen Wünschen ab. Diese Entscheidung triffst du am besten gemeinsam mit einer Fachperson.

Wann solltest du dich auf ADHS testen lassen?

Eine Abklärung lohnt sich, wenn die meisten dieser Punkte zutreffen:

  • Mehrere der oben genannten Anzeichen treten häufig auf, nicht nur in stressigen Wochen.
  • Du kannst sie bis in die Kindheit zurückverfolgen, auch wenn sie damals anders aussahen.
  • Sie verursachen Probleme in mehr als einem Bereich, etwa im Beruf und zu Hause.
  • Andere Ursachen wie schlechter Schlaf oder eine depressive Phase reichen als Erklärung nicht ganz aus.

Wenn du unsicher bist, ist ein Screening ein sinnvoller erster Schritt. Nimm das Ergebnis zusammen mit deinen Beispielen mit zu einer Ärztin oder einem Arzt. Und wenn du mit deiner Stimmung kämpfst oder dich nicht sicher fühlst, wende dich jetzt an eine Ärztin, einen Arzt oder einen Krisendienst, noch vor jeder Frage zu ADHS.

Häufige Fragen

Kann ADHS im Erwachsenenalter beginnen?

Nach den DSM-5-Kriterien müssen mehrere Symptome schon vor dem Alter von 12 Jahren vorhanden gewesen sein, deshalb sucht eine Fachperson nach Anzeichen in deiner Kindheit. Viele Menschen werden aber erst als Erwachsene diagnostiziert: In einer CDC-Umfrage von 2023 wurden 55,9 % der Erwachsenen in den USA mit aktueller ADHS-Diagnose mit 18 Jahren oder später diagnostiziert. Meist waren die Anzeichen schon früher da, wurden aber nicht erkannt.

Kann mir ein Online-Test sagen, ob ich ADHS habe?

Nein. Online-Tests sind Screening-Fragebögen zur Selbsteinschätzung. Sie können zeigen, ob sich eine Abklärung lohnt, aber diagnostizieren kann ADHS nur eine zugelassene Fachperson, die dich ausführlich befragt. In Studien mit der Allgemeinbevölkerung stufte die ASRS v1.1 weit mehr Menschen als auffällig ein, als tatsächlich ADHS haben.

Wie unterscheidet sich ADHS von normaler Ablenkbarkeit?

Jeder Mensch ist mal abgelenkt. Bei ADHS müssen die Symptome häufig sein, mindestens sechs Monate anhalten, vor dem Alter von 12 Jahren begonnen haben, in mehr als einem Lebensbereich auftreten und dein Leben deutlich beeinträchtigen.

Warum wird ADHS bei Frauen häufiger übersehen?

Unaufmerksame Symptome fallen weniger auf als störendes Verhalten, deshalb werden unaufmerksame Mädchen häufiger übersehen. Bewältigungsstrategien können die Schwierigkeiten verdecken, und begleitende Angst oder Depression kann ADHS überlagern. Außerdem können Symptome in Übergangsphasen des Lebens und bei hormonellen Veränderungen deutlicher werden.

Wer kann ADHS bei Erwachsenen diagnostizieren?

Eine zugelassene Fachperson mit Erfahrung bei ADHS im Erwachsenenalter, etwa eine Psychiaterin, ein Psychiater oder eine psychologische Fachperson. Wer diagnostizieren darf, ist von Land zu Land verschieden. Oft ist die Hausarztpraxis der erste Schritt und kann dich überweisen.

Verschwindet ADHS mit dem Alter?

Die Symptome werden oft schwächer. Eine Metaanalyse ergab, dass etwa jeder sechste junge Mensch mit ADHS mit 25 Jahren noch alle Kriterien erfüllte, während etwa die Hälfte noch einige beeinträchtigende Symptome hatte. Die Hyperaktivität lässt meist stärker nach als die Unaufmerksamkeit.

Einen passenden Test machen

  • ADHS-Merkmale-TestEin Screening mit 18 Fragen zu ADHS-Merkmalen bei Erwachsenen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.
  • Angsttest (GAD-7)Der GAD-7 mit 7 Fragen, der von Ärztinnen und Ärzten am häufigsten genutzte Angstfragebogen, bezogen auf die letzten zwei Wochen.

Quellen

  1. American Psychiatric Association. What is ADHD? Physician review: J. Immanuel and J. Burden. Updated October 2025.
  2. Staley, B. S., Robinson, L. R., Claussen, A. H., et al. (2024). Attention-deficit/hyperactivity disorder diagnosis, treatment, and telehealth use in adults: National Center for Health Statistics Rapid Surveys System, United States, October–November 2023. MMWR, 73(40), 890–895.
  3. Song, P., Zha, M., Yang, Q., et al. (2021). The prevalence of adult attention-deficit hyperactivity disorder: A global systematic review and meta-analysis. Journal of Global Health, 11, 04009.
  4. Kessler, R. C., Adler, L., Barkley, R., et al. (2006). The prevalence and correlates of adult ADHD in the United States: Results from the National Comorbidity Survey Replication. American Journal of Psychiatry, 163(4), 716–723.
  5. Faraone, S. V., Banaschewski, T., Coghill, D., et al. (2021). The World Federation of ADHD International Consensus Statement: 208 evidence-based conclusions about the disorder. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 128, 789–818.
  6. Shaw, P., Stringaris, A., Nigg, J., & Leibenluft, E. (2014). Emotion dysregulation in attention deficit hyperactivity disorder. American Journal of Psychiatry, 171(3), 276–293.
  7. Young, S., Adamo, N., Ásgeirsdóttir, B. B., et al. (2020). Females with ADHD: An expert consensus statement taking a lifespan approach providing guidance for the identification and treatment of attention-deficit/hyperactivity disorder in girls and women. BMC Psychiatry, 20, 404.
  8. Kessler, R. C., Adler, L., Ames, M., et al. (2005). The World Health Organization Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS): A short screening scale for use in the general population. Psychological Medicine, 35(2), 245–256.
  9. Ustun, B., Adler, L. A., Rudin, C., et al. (2017). The World Health Organization Adult Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Self-Report Screening Scale for DSM-5. JAMA Psychiatry, 74(5), 520–526.
  10. Chamberlain, S. R., Cortese, S., & Grant, J. E. (2021). Screening for adult ADHD using brief rating tools: What can we conclude from a positive screen? Some caveats. Comprehensive Psychiatry, 106, 152224.
  11. Centers for Disease Control and Prevention. Diagnosing ADHD.
  12. National Institute of Mental Health. Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder.